Heran an die Zukunft – Berufsorientierung für junge MigrantenInnen
1. Zielgruppe und Zielsetzung
Das Projekt verfolgt das Ziel, jugendliche MigrantenInnen aus ganz verschiedenen Kulturkreisen beruflich zu qualifizieren, ihnen neue Perspektiven der beruflichen Integration zu eröffnen und sie nachhaltig zu integrieren. Das Projekt erreicht durch seine konzeptionelle Ausrichtung auch und insbesondere jene Jugendlichen, die durch andere Instrumente nicht erreicht werden konnten und auch perspektivisch nicht erreicht werden können, es richtet sich an Haupt- und FörderschülerInnen, an Jugendliche aus einem schwierigen sozialen Umfeld, an Jugendliche und junge Erwachsene mit unzureichenden Deutschkenntnissen, aber auch an Schulverweigerer und –abbrecherInnen, an AusbildungsabbrecherInnen sowie an Jugendliche, die an einer arbeitsmarktbezogenen Bildungsmaßnahme gescheitert sind. Die Kenntnis der soziokulturellen Binnenstruktur der Herkunftsgesellschaften macht es erforderlich, die Familien und Clans, die Kulturvereine und Moscheen sowie ein breites Netzwerk interkultureller Arbeit in die Projektarbeit mit einzubeziehen.
2. Resümee der bisherigen Projekterfahrungen
- Über unser Projekt „Heran an die Zukunft“ haben wir ein großes Netzwerk zur beruflichen Integration arbeitsloser MigrantenInnen aufbauen können.
- Wir haben es geschafft, auch und gerade jene Institutionen und Vereine miteinander zu vernetzen, die vorher nur wenig Berührungspunkte hatten, eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Arbeit im Sinne des Integrationsziels der Jugendlichen. Das Projekt genießt eine hohe Akzeptanz bei allen Prozessbeteiligten, es fungiert als Brücke zwischen den Migragrationsvereinen, aber auch darüber hinaus zu Schulen, Behörden und anderen Einrichtungen der beruflichen Integration.
- Es ist uns gelungen, die avisierte Zielgruppe auch tatsächlich zu erreichen. Voraussetzung dafür war die Akzeptanz der Eltern der Jugendlichen sowie zahlreicher Multiplikatoren. Besonders junge Mädchen, die sonst nicht hätten erreicht werden können, wurden so schulischer und beruflicher Weiterbildung zugeführt.
- Die Projektarbeit weist eine außerordentlich positive und nachhaltige Integrationsbilanz auf. Dabei haben sich im Laufe der Projektarbeit zwei wesentliche Elemente besonders bewährt: Das Projekt konnte einerseits auf eine bundesweite Datenbank des Bundes Türkisch-Europäischer Unternehmer (BTEU) zugreifen, andererseits viele Jugendliche zu Mobilität erziehen und bundesweit vermitteln. Dabei ist es gelungen, familiäre Unterstützungsnetzwerke in ganz Deutschland zu aktivieren.
- Durch seinen interkulturellen Ansatz ist es dem Projekt zu verdanken, dass auch in ausländischen Unternehmen in der Region Flensburg Arbeits- und Ausbildungsplätze für junge MigrantenInnen generiert werden konnten, die durch eine solche Anschubhilfe nicht zu Stande gekommen wären.
- Aber auch über diese originären Erfolgsparameter im Sinne der Projektziele (berufliche Integration von Jugendlichen) hinaus hat das Projekt dazu beigetragen, die Sozialstruktur in jenen Stadtteilen mit einer hohen MigrantenInnen-Quote zu verbessern: Die Förderung interkultureller Erziehungskompetenz, die enge Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Bewährungs- oder Jugendgerichtshilfe oder das Initiieren eines interreligiösen Arbeitskreises sind einige exemplarische Beispiele jener Aktivitäten. Jugendliche, die in einer offenen sozialen Umgebung aufwachsen und über den „Tellerrand“ ihrer eigenen Religion und Kultur hinausblicken können, sind seltener Opfer fundamentalistischer Agitation. Auch hier hat die Projektarbeit ganz sicher ihren Beitrag geleistet.
3. Konzeptionelle Schwerpunkte
Sozialpädagogische Elemente
- Die pädagogische Arbeit setzt in den Familien an. Die Eltern der MigrantenInnen werden in die Berufswegeplanung ihrer Kinder aktiv eingebunden, eine wichtige Voraussetzung, um einen nachhaltigen Integrationserfolg zu gewährleisten. Dabei ist es besonders wichtig, dass unsere ProjektmitarbeiterInnen selbst Migrationserfahrungen mitbringen. Nur so kann ein Zugang in die MigrantenInnen-Familien gewährleistet werden, nur so können spezifische Ausprägungen von Nichtintegration erkannt und entsprechende Interventionen eingeleitet werden.
- Eine aktive MultiplikatorenInnen-Arbeit ist eine weitere wichtige Voraussetzung, um gerade diese schwer erreichbare Zielgruppe zu integrieren. Dadurch wird auch die Akzeptanz der Projektziele in dem engen Netzwerk der Migrationseinrichtungen und -vereine ermöglicht. Es wird deutlich gemacht, dass eine gute Lebensperspektive in Deutschland auch immer verknüpft ist mit einer beruflichen Perspektive der jungen Menschen ohne Inanspruchnahme staatlicher Transferleistungen.
- Ein wesentlicher Motivationsfaktor für junge MigrantenInnen ist die Vorbildfunktion eigener Landsleute. Vor diesem Hintergrund werden junge Auszubildende und Erwerbstätige mit Migrationsbiographie in die Projektarbeit einbezogen.
- Das Projekt leistet einen aktiven Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit in der Zielgruppe der Kulturfremden. Das bedeutet, dass auch und gerade junge Frauen gezielt gefördert werden sollen (Projekttage und Gruppenangebote für junge Frauen). Damit wird eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige berufliche Integration geschaffen. Junge Frauen werden in die Lage versetzt, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
- Eine zielgerichtete Lebens- und Bildungsplanung und die stetige pädagogische Begleitung der TeilnehmerInnen im Sinne eines Case-Managements ist elementarer Bestandteil des Angebots.
- Nicht zuletzt ist die nachhaltige Vermittlung der arbeitslosen Jugendlichen in eine berufliche Anschlussperspektive ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.
Praxisangebote
- Für die TeilnehmerInnen werden konkrete Arbeitsgelegenheiten oder berufsvorbereitende Bildungsangebote erschlossen, um Erfahrungen von Arbeitsrealität in Deutschland zu machen. Dies können integrativ angelegte Arbeitsangebote sein (MigrantenInnen arbeiten zusammen mit Deutschen, lernen Sprache und Kultur in gelebter Praxis), es können aber auch migrantenInnenspezifische Arbeitsangebote sein (z. B. in Kulturvereinen, Moscheen etc.), die an die interkulturelle Kompetenz der KlientenInnen anknüpfen und deren Selbsthilfepotenziale im Hinblick auf eine Integration aktivieren.
- Einen besonderen Schwerpunkt sollen dabei zukunftsweisende Arbeitsfelder „von und für“ MigrantenInnen bilden. So besteht z. B. ein großer Bedarf an Pflegekräften mit Migrationshintergrund und interkultureller Kompetenz.
- Die TeilnehmerInnen sollen Praktika im 1. Arbeitsmarkt absolvieren. Dabei werden auch ausländische Betriebe sowie Betriebe, deren Aktivitäten international ausgerichtet sind, eingebunden. Dadurch wird es möglich sein, zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für unsere Zielgruppe der jungen MigrantenInnen zu erschließen.
- Die begleitete schulische Weiterbildung ist ein weiteres wesentliches Element unserer Projektpraxis. Viele junge MigrantenInnen verfügen über eine unzureichende Schulbildung und scheitern an Bildungsanforderungen, weil ihnen die nötige pädagogische und fachliche Unterstützung fehlt. Auch hier wird unser Angebot gezielt ansetzen.
Qualifizierung
- Berufsbezogener Sprachunterricht
- Landes- und Kulturkunde (Werte und Normen des Integrationslandes)
- Struktur des Ausbildungssystems
- Bewerbungstraining
- Vermittlung sozialer Schlüsselqualifikationen
Ansprechpartner
Lukas Goebel
bequa Flensburg
Bahnhofstraße 28
24937 Flensburg
Telefon: 0461.851340
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